Beromünster 529 kHz Die NZZ bringt eine spezielle Deutschlandausgabe heraus


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Wohl nur die ältesten Dunkeldeutschen werden sich daran erinnern, welche Bedeutung einmal Radio Beromünster1 für seine deutschen Hörer hatte. In den Jahren des Dritten Reiches und besonders während des zweiten Weltkrieges haben kritische oder doch wenigstens politisch besorgte reichsdeutsche Bürger Radio Beromünster gehört, um sich jenseits der Goebbelschen Propaganda ein Bild von den weltpolitischen Entwicklungen zu machen. Eine besondere Bedeutung erlangten seine Sendungen im zweiten Weltkrieg durch und nach Stalingrad, weil sie ein verlässliches Bild der militärischen Entwicklungen boten. Nahezu Kultcharakter erlangte die „Weltchronik“2 des Schweizer Historikers von Salis, die wöchentlich ausgestrahlt wurde.

Gegenüber den sonstigen »Feindsendern«, auch den deutschsprachigen Sendungen eines Sefton Delmer, besaß Radio Beromünster den großen Vorteil, dass seine Frequenz lange Zeit auf den Frequenzskalen vieler Marken, freilich nicht der des »Volksempfängers«, explizit ausgewiesen war und darüber hinaus direkt neben der Frequenz des »Reichssenders Stuttgart« (Frequenz 574 kHz) lag. Bei manchen kritischen oder patriotischen aber dennoch nazifeindlichen Geistern genoß er auch einen Vertrauensvorschuß, weil er als Schweizer Sender bei ihnen nicht im Verdacht stand, in vorderster Linie der Wehrkraftzersetzung und weniger der Volksaufklärung zu dienen.

Die Zeit des Mittelwellen-Rundfunks mit seinen großen Reichweiten ist passé. An seine Stelle ist das Internet getreten. Es ermöglicht heute dem politisch interessierten Staatsbürger, sich, anders als aus lokalen Tageszeitungen und Fernsehen, weltweit über politische , wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklungen zu unterrichten. Abhängig von der Beherrschung von Fremdsprachen wird es so möglich, Analysen auf Vollständigkeit oder sachliche Fundierung miteinander zu vergleichen, unterschiedliche Gesichtspunkte abzuwägen und divergierende (moralische) Wertungen zur Kenntnis zu nehmen. Es ist ein unschätzbarer Vorzug dieser Quellen, die Bewertung deutscher Politik direkt aus den ausländischen Quellen zu erfahren und nicht gefiltert durch eine rosarote Selbstlobbrille unserer heimischen Journalisten – auch wenn diese Quellen nur das ins Auge fassen, das einen in ihrem Urteil bedeutenden Zusammenhang mit ihrer internen Politik aufweist.

Einen Ausweg aus dieser Beschränkung verspricht ein unternehmerisches Unterfangen von Herausgeber und Verlag der Neuen Zürcher Zeitung. Sie bieten im Rahmen des allgemeinen Digital-Abonnements einen speziell auf die Interessen deutscher Leser zugeschnittenen Newsletter «Heute meistgelesen» an, in dem von Montag bis Samstag diejenigen NZZ-Artikel zusammengafsst werden, die in Deutschland am häufigsten gelesen wurden. Das Abo umfasst auch den pointiert geschriebenen Newsletter «Der andere Blick» von Chefredaktor Eric Gujer. In Vorbereitung dieser Marktexpansion in Richtung Bundesrepubkik wurden, nach eigenen Angaben, das in Deutschland tätige Korrespondentennetz sowie die deutschlandbezogene Berichterstattung nachhaltig ausgeweitet.

Mit diesem Angebot und den Deutschen Wirtschaftsnachrichten3 stehen dem deutschen Staatsbrüger nunmehr zwei Digitalmedien zur Verfügung, die ihm Informationen bieten, die von der weitestgehend regierungskonformen Berichterstattung der mit der einheimischen Nomenklatura bestens verbandelten Mainstreammedien gänzlich unabhängig sind. Ihm steht bei längerfristiger Nutzung dabei durchaus die eine oder andere Überraschung ins Haus, etwa, was Übereinstimmungen oder Differenzen oder Lücken angeht. Insbesondere fällt, wie regelmäßig bei ständiger Lektüre ausländischer Presseerzeugnisse, deren erheblich größere Reichweite in geostrategischen Fragestellungen mit der Folge auf, dass den einheimischen MSM einen leicht provinzieller Geruch anhaftet.


  1. Der 1931 gegründete Mittelwellensender (Frequenz zunächst 529 kHz) konnte nach einer massiven technischen Erweiterung seit 1937 praktisch in ganz Europa gehört werden. Erst Ende 2008 wurde er im Zuge einer innovativen Umrüstung des Rundfunksystems, die alle Mittelwellensender europaweit betraf, endgültig abgeschaltet.
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  2. https://www.geschichte-schweiz.ch/weltchronik-von-salis.html
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  3. Die Deutschen WirtschaftsNachrichten (DWN) wurden ursprünglich von dem österreichischen Journalisten Michael Meier ins Leben gerufen, dessen Blogform Verlagsgesellschaft mbH 49 vom Hundert gehören, während Mehrheitsgesellschafter zu 51 Prozent die schwedische Verlagsgruppe Bonnier Business Press ist. Bonnier gehören unter anderem die führenden schwedischen Zeitungen Expressen und Dagens Nyheter.
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