Mythos Investitionen

In den Medien und in der Politik wird »Investieren« und demenstprechend »Investor« und »Investition« für ganz unterschiedliche wirtschaftliche Aktivitäten verwendet. Weil die Begriffe ausgesprochen positiv konnotiert sind, ist es wichtig, die verschiedenen Bedeutungen zu klären und sie begrifflich sauber auseiander zu halten. In diesem Zusammenhang ist es auch wichtig, den Begriff des Kapitals zu klären.

»Investieren« ist das Beschaffen, Erstellen und Einsetzen von zusätzlichen dauerhaften Produktionsmitteln. Investition ist demnach der in laufenden Preisen gemessene Wert dieses Einsatzes. »Investor« ist derjenige, der den Einsatz der zusätzlichen Produktionsmittel bewirkt. Der Ersatz der im Produktionsprozess verschlissenen dauerhaften Produktionmittel wird als Reinvestition bezeichnet. Man unterscheidet demnach Bruttoinvestitionen, Reinvestititonen und Nettoinvestitionen. Dierse Begriffsbildung entspricht der der amtlichen volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung. Der Wert des Gesamtbetandes an dauerhaften Produktionsmitteln wird auch als Produktionskapital bezeichnet.

In einer gängigen, aber missverständlichen Begriffbildung bezeichnet »Investieren« das Anlegen von liquiden Vermögensbestandteilen in einer anderen Anlageform. Es bedeutet in diesem Sinne eine Restrukturierung des Vermögensportfolios. Mit dieser Restrukturierung kann eine Erhöhung des Produktionskapitals beabsichtigt sein, muss es aber nicht und ist in in der Mehrzahl der Transaktionen auch nicht. Wenn ein selbständiger Handwerker einen Teil seines Einkommens aus seiner handwerklichen Tätigkeit dazu verwendet, eine neue Maschine zu kaufen, ist dies zugleich Anlage des gesparten Teils seines Einkommens und Investition in eine neue Maschine. Wenn der Berkshire Fonds des einen Teil seines liquiden Vermögens (täglich fällige Bankeinlagen beispielsweise) zum Kauf einer Unternehmung verwendet, ist dies zwar eine Anlage, aber sicher keine Investition. So sind auch alle die Griechenlandretter zwar Anleger, aber keine Investoren, auch wenn sie die Wirtschaftspresse traditionell beschönigend als solche bezeichnet. Fonds wie Berkshire Hathaway des Warren Buffet investieren nicht, sie legen an. Ebenso wenig investieren die sprichwörtlich gewordenen Heuschrecken des Herrn Müntefering. Sie kaufen Unternehmen auf, filetieren sie und verkaufen die Einzelteile gewinnbringend. Das mag die Effizienz der Kapitalstuktur erhöhen, aber zunächst nicht die gesellschaftliche Wohlfahrt.

Für die wirtschafts- und soziapolitische Diskussion ist diese Unterscheidung wesentlich, weil Anlieger per se keine Arbeitsplätze schaffen und auch das verfügbare reale Sozialprodukt nicht erhöhen. Sie stellen allenfalls »echten« Investoren die Mittel zur Verfügung, die diese benötigen, um die von ihnen geplante Investition realisieren zu können.