Mythos Marshallplan

In verschiedensten Zusammenhängen taucht von Zeit zu Zeit der Vorschlag, oder gar die Forderung auf, für bestimmte Länder oder Ländergruppen müsse ein neuer Marshallplan1 her, der von den entwickelten Volkswirtschaften, vornehmlich der Bundesrepublik Deutschland, zu finanzieren sei. Verbunden damit ist die Erwartung, vielleicht auch nur die Hoffnung, dass dadurch ähnliche Wachstumsimpulse ausgelöst und damit Wohlfahrtfortschritte erzielt werden könnten, wie sie seinerzeit in den westeuropäischen Staaten erzielt worden sind. Am besten gleich ein „Wirtschaftswunder“ nach deutschem Volbild der fünfziger und sechziger Jahre des vorigen Jahrhunderts.

Das jedoch ist pure Illusion. Der Erfolg des „echten“ Marshallplans beruhte darauf, dass er optimal auf die damals vorgefundenen einmaligen historischen Voraussetzungen angepasst war und diese auch für das Anstoßen eines dauerhaften wirtschaftlichen Wachstums besonders günstig waren. Wenn man heute ein Hilfsprogramm für wirtschaftlich unterentwickelte Länder konzipiert, muss man von völlig anderen historischen Gegebenheiten ausgehen und sollte deshalb nicht durch eine irreführende Bezeichnung illusorische Erwartungen wecken. Dabei könnte sich ein genauerer Blick auf die seinerzeitige historische Entwicklung lohnen, war der Marshallplan doch in gewisser Weise ein Nachfolger zu einem vorhergehenden Hilfsprogramm2, das hoffnungslos gestrandet war.


  1. So jüngst Bundesminister Gerd Müller mit seinem »Marshallplan mit Afrika«. http://www.bmz.de/de/laender_regionen/marshallplan_mit_afrika/
    zurück
  2. fußnotentext
    zurück