Mythos Paritätische Finanzierung

Als paritätische Finanzierung wird die Aufteilung der Sozialversicherungsbeiträge in zwei gleichgroße Teilbeträge, einen Arbeitgeberanteil (»Arbeitgeberbeitrag«) und einen Arbeitnehmeranteil (»Arbeitnehmerbeitrag«) bezeichnet.

Die paritätische Finanzierung wird zuweilen auch als »solidarische Finanzierung« bezeichnet.

Die paritätische Finanzierung wird von Gewerkschaften und politischen Parteien, die programmatisch Arbeitnehmerinteressen vertreten, mit der Begründung gefordert, die Belastung mit den Beiträgen zur Sozialversicherung gerecht auf die Schultern der Arbeitgeber und der Arbeitnehmer zu verteilen.

Hierbei wird unterstellt, dass

  • der Arbeitnehmer den Arbeitnehmeranteil aufbringt, also aus seinem Bruttolohn an den Sozialversicherungsträger abführt und
  • der Arbeitgeber den Arbeitgeberanteil aus seinem Bruttoeinkommen aufbringt, also aus seinem Unternehmerlohn, aus der Eigenkapitalverzinsung oder aus dem Gewinn.

Dies ist jedoch eine Illusion, ein Mythos.

Jeder Arbeitgeber wird bei der wirtschaftlichen Bewertung, ob ein Arbeitnehmer beschäftigt werden soll oder nicht, sämtliche ihm durch die Beschäftigung entstehenden Kosten berücksichtigen, also außer dem tatsächlich auszubezahlenden Bruttolohn auch alle weiteren direkten und indirekten Aufwendungen, zu denen auch die Arbeitgeberbeiträge zu den verschiedenen Sozialversicherungsträgern gehören.

Dementsprechend werden von den statitischen Ämtern aller Staaten und internationalen Organisationen sämtliche Sozialversicherungsbeiträge der Lohnquote, dem Anteil der Einkommen der unselbständig Bewschäftigten am Volkseinkommen zugeschlagen.

Ob der Arbeitgeber die Arbeitgeberbeiträge aus seinem Bruttoeinkommen tatsächlich trägt oder nicht, hängt ausschließlich davon ab, ob er am Markt kostendeckende Preise für seine Produkte erzielt oder nicht.

Die paritätische Finanzierung stellt daher keine soziale Errungenschaft dar. Sie hat ausschließlich symbolischen Charakter.