Nur schwierig oder doch zerrüttet?

Unter den für Deutschland wichtigen geopolitischen Problemen gewinnen in der jüngeren Zeit zunehmend die Beziehungen zur Türkei, genauer dem Staat Türkei und der ihn repräsentierenden religiös-poltischen Elite an Bedeutung. Die Türkei ist schon dank ihrer geografischen Lage ein wichtiger Player im weltweiten Machtspiel. Hier hatte sie als Nato-Mitglied in vorderster Front der US-amerikanischen Politik des confinement der früheren Sowjetunion eine zentrale Rolle. Inzwischen, nach der kurzen Zeit der Deeskalation, die den Umbrüchen in den frühen neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts zu verdanken war, hat sich die amerikanische Geostrategie unter dem Neoimperialismus der US-Präsidenten Bush jun. und Obama wieder einer agressiven Vorwärtsverteidung verschrieben, in der der Türkei auch wieder ihre frühere Rolle zufällt. Die inzwischen ingang gesetzte revolutionäre Umgestaltung der staatlichen Organisation der Türkei hat jedoch die fühere Verlässlichkeit in der geopolitischen Gemengelage nachhaltig unterminiert.

Für Deutschland ist die politische Lage darüber hinaus höchst prekär, weil auf dem deutschen Staatsgebiet inzwischen mehr als 5 Millionen türkisch-stämmiger Menschen leben, deren Loyalität gegenüber den weltpolitischen Lagern – auch aus religiösen Gründen – durchaus geteilt sein dürfte und die daher eine derzeit kaum berechenbare Bedrohung der inneren mentalen Lage, um nicht zu sagen: Sicherheit darstellen. Das vernebelnde Lavieren der politischen Führungskräfte in allen Fragen, die auch nur beiläufig an „Immigration“ grenzen, ist ein schlagender Beweis für diese Unsicherheit, der unsere derzeitigen politischen Führungskräfte offensichtlich nicht gewachsen sind. Hinzu kommt, dass ganz offensichtlich die intellektuellen wie pseudointellektuellen Eliten in ihren Auffassungen, wie mit der Problematik umzugehen sei, tiefgreifend gespalten sind.

Dies ist umso beunruhigender, als man vermuten darf, dass sich die eigentlichen stukturellen Verwerfungen erst in der näheren und weiteren Zukunft voll herausbilden werden. Die causa Yücel ist demgegenüber von transitorischer Bedeutungslosigkeit (nicht einmal „peanuts“), auch wenn uns das Geheul der deutschen Journaille das Gegenteil zu suggerieren versucht.

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