Mein Ersatzteillager

Vor langer langer Zeit, zu Beginn der Motorisierung nach der Währungsreform, als der erste Erwerb eines eigenen Autos noch ein Highlight im persönlichen Lebenslauf darstellte, da haben viele ihrem Schätzchen einen eigenen Kosenamen gegeben und es geliebt uns betreut bis an, nun ja, den Kauf des Nachfolgers. Das erste bleibt in der Erinnerung ein geliebtes Haustier, ein Individuum.

Das war, ist und bleibt eine historische Einmaligkeit. Heute ist ein technisches Gerät nach mehreren Jahren der Nutzung, vielen Service- und Wartungesdiensten und mannigfachem Teileaustausch lange nicht mehr das, was es bei der Anschaffung war. Wer den PPA erstanden hat, weiß, dass bein Kleinflugzeug nach zehn Jahren von der Erstausstattung praktisch nur noch die Hülle stammt. Im Grunde ist das einzelne Gerät eigentlich nur seine Fahrgestellnummer.

Dieses Bild vom Menschen muß der Bundesgesundheitsminister im Kopf gehabt haben, als er seine Idee gebar, eine Art Beweislastumkehr für die Organspende vorzunehmen: Nicht länger kann der potentielle Spender bestimmen, ob er seine Einzelteile für die Weiterverwendung bei seinen Mitmenschen zur Verfügung stellen will, sondern er ist verdammt dazu, ausgeschlachtet zu werden wie ein Autowrack, sofern er dem nicht ausdrücklich widerspricht. So kann sich der Besucher beim nächsten Tag der Offenen Tür im BMG beim Nahen des Dienstherrn beglückt versichern: »Da kommt es ja, Dein persönliches Ersatzteillager«.

Dem Handwerk fehlen Lehrlinge

Nach Angaben des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks sind zum traditionellen Ausbildungsbeginn anfangs September noch Tausende der angebotenen Lehstellen unbesetzt. Der Verband sieht die Ursache in den schwächer werdenden Jahrgängen wie im „Drang an die Universitäten“. Dies trifft sicherlich zu, ist aber nur die halbe Wahrheit.

Ursache ist wohl weniger der Drang der jungen Leute, die, wie Umfragen und Aussagen vieler Ausbilder bis hin zu Hochschullehrern ausweisen, zunehmend geringeres Interesse an einer beruflichen Karriere zeigen, sondern ein Chillen in sozialen Beziehungen bevorzugen, wie wir auch aus dem berufenen Munde einer jungsozialistischen Nachwuchspolitikerin vernehmen durften. Es ist vielmehr der durch den Tunnelblick der Bildungspolitik auf Gleichheit ausgelöste Druck der Politik, einen ständig steigenden Anteil eines jeden Jahrgangs durchs Abitur und die Universitäten zu schleusen, der der beruflichen Bildung die Kandidaten wegsaugt.

Und es ist der durch den absurden Wechselkurs des Euro ausgelöste Exportüberschuss, durch den unseren Nachbarländern die Arbeitsplätze gestohlen werden.

Hallelujah!

Der eine oder andere wird sich noch vage daran erinnern, dass etwa im Jahr 35 nach der Zeitwende — so genau weiß das keiner — ein gewisser Judas Ischariot gegen ein Bestechungsgeld in Höhe von dreißig Silberlingen den Aufenthaltsort des selbsternannten Messias — Jesus — an die römische Besatzungsmacht verraten hat, damit dieselbe ihn auf Drängen der einheimischen Regierungsmafia zum Tode befördere. Der arme Judas brauchte das Geld dringend für den Unterhalt seiner Familie und war im übrigen duch seine Tat auch noch an der Erfüllung der Verheißung Jesu maßgeblich beteiligt.

Knapp zwei Jahrtausende später haben zwei selbsternannte Nachfolger des Verratenen und anschließend Gekreuzigten ihn erneut verraten. Sie verbargen das Zeichen seiner Nachfolge vor Andersgläubigen ohne Not aus purer Feigheit und erklärten dies heuchlerisch als Rücksichtnahme auf deren anderen Glauben. Vielleicht hatten sie auch nur Angst vor dem Aufflammen von Gewalt, denn das Märtyrium überlassen feiste von zwangsweise erhobenen Steuern alimentierte Kirchenfürsten lieber den verfolgten armen ausgehungerten Christen vorwiegend in islamischen Ländern.

Man ist als ungläubiger Atheist glatt versucht, sich für Kardinal Graf von Galen und Pastor Martin Niemöller frendzuschämen.

NAFTA: Nachfolge-Vertrag ist auf dem Weg.

Anfang der Woche haben der US-amerikanische Präsident Donald Trump und der Präsident Mexikos, Enrique Nieto, sachlich übereinstimmend mitgeteilt, dass sie sich über ein Freihandelsabkommen geeinigt haben. Beide haben den kanadischen Premierminister Justin Trudeau hiervon in Kenntnis gesetzt. Die Regierung Kanadas hatte sich nach der Aufkündigung des NAFTA durch Trump zunächst von der Aufnahme von Verhandlungen ferngehalten, weil sie die eigentlich strittigen Probleme im Verhältnis der USA zu Mexiko gesehen hat. Es bleibt abzuwarten, ab es nunmehr zu einem bilateralen Abkommen unter geänderter Bezeichnung kommt, oder sich Kanada doch noch zu Verhandlungen über die Nachfolge des Dreierbündnisses bereit findet.

Die bilaterale Vereinbarung ist ein Erfolg der Verhandlungstaktik Trumps, durch (zuweilen extrem) hohe öffentliche mit Drohungen verbundene Forderungen die Aufnahme von Verhandlungen quasi zu erzwingen, um dann aber auf einem Mittelweg zu Ergebnissen zu gelangen. Der Kompromiss besteht darin, dass es bei der Zollfreiheit für alle Produkte bleibt, sofern diese zwei Bedingungen simultan erfüllen. Sie müssen erstens einen von 60 vom Hundert auf über 70 vom Hundert angehobenen local content1 aufweisen und zweitens müssen die Löhne der an ihrer Produktion beteiligten Arbeitskräfte 16 Dollar übersteigen. Volkswirtschaftlich bedeutet dies, dass Trump sowohl die direkte als auch die indirekte über Warenimporte zustandekommende Lohnkonkurrenz, der sich US-merikanische Arbeiter augesetzt sehen, zwar nicht unterbindet, aber doch weitergehend beschränkt, als dies unter NAFTA der Fall gewesen ist,


  1. Unter local content versteht man den Anteil der Wertschöpfung, die im Inland erbracht worden ist. Sie ist bei hochwertigen Produkten, die einen hohen Anteil an hochqualifizierter Arbeit enthalten z.B. Premium cars, tendentiell höher als bei Massenprodukten, die mechanisert aus importierten Fertigteilen erstellt werden, wie etwa Kleinwagen »assembled in Germany«.
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Adults only

es gibt wohl keine Gelegenheit, die sich nicht dazu eignete, von einschlägigen Journalisten gesinnungsethisch hochgeschrieben zu werden. So jetzt wieder in der Tante FAZ zu dem Thema »adults only«. Hat da doch tatsächlich ein Gastronom auf Rügen kinderfreies Dinieren auf seine Speisenkarte geschrieben. Das hat nichts, wie ein Herr Benninghoff meint, mit der typisch deutschen fehlenden Kinderfreundlichkeit zu tun. Es ist schlicht eine rundum übliche Markt­differenzierung nach den Präferenzen der Kunden, die mit ihren Einkäufen schließlich auch die ganze Veranstaltung bezahlen. Meine Frau und ich haben uns gezwungen gesehen, ein bis dahin sehr geschätztes Hotel zu wechseln, um den vielen versteckten Aggressionen der ausschließlich deutschen repressionsfrei erzogenen (weiblichen) Gören zu entgehen, denen wir in dem ursprünglichen familienfreundlich firmierenden Hotel ausgesetzt waren. Der Markt macht’s möglich.