Griechenland redivivus

Am 20. August endet das dritte Hilfsprogramm für Griechenland, ohne dass zu diesem Zeitpunkt bereits an einem weiteren Hilfprogramm gearbeitet würde. Griechenland ist, mit anderen Worten, von nun an bei der Kreditbeschaffung wieder auf die internationalen Kapitalmärkte verwiesen. Die wichtigsten Ratingagenturen beurteilen die Chancen für neue Kraditaufnahmen positiv, was allerdings nur wenig darüber aussagt, wie die Konditionen hierfür im konkreten Fall aussehen würden. Die (realwirtschaftlichen) Basisdaten sind ambivalent: Das reale Inlandsprodukt ist zwar im Jahr 2017 gestiegen und die Prognosen für dieses Jahr gehen von einer Fortsetzung des realen Wirtschaftswachtums aus. Der Haushalt weist einen Primärüberschuss aus, ist aber unter Berücksichtigung der laufenden Bedienung der ausstehenden Kredite und ausstehender Zahlungsverpflichtungen insbesondere bei den Sozialleistrungen weiterhin in einstelliger Milliardenhöhe defizitär. Aufgrund der Austeritätspolitik, die Griechenlands Regierung auf Druck der öffentlichen Geldgeber IMF und EU während der vergangenen acht Jahre durchgezogen hat, ist die wirtschaftliche Lage der Bevölkerung und dabei insbesondere die der Rentner äußerst miserabel; das Durchschnittseinkommen liegt auf dem Ninevau des Jahres 2003. Die nach Eintritt in die Euro-Zone durch eine hemmungslose internationale Kreditaufnahme finanzierte Wohlstandsteigerung – die inländische Güterverwendung lag für acht Jahre um etwa 10 vom Hundert über der inländischen Gütererstellung – wurde damit nahezu vollständig wieder verloren. eine logische Kosequenz jeder kreditfinanzierten Konsumausweitung, wenn die Gläubiger auf einer Rückzahlung ihre Kredite beharren. Die prekäre Finanzlage wird noch verschlimmert, wenn, wie im Falle der drei internationalen Hilfsprogramme, Zins und Tilgung der Kredite nicht aus der laufenden Produktion genommen werden (können), sondern die Aufnahme neuer Kredite (sog. Revolvingkredite) erfordern, die in aller Regel dann die Verschuldung ehre steigern als abbauen. So wird die öffentliche Verschuldung Griechenlds in diesem Jahr wohl 350 Mrd. Euro und damit 190 vom Hundert des Bruttoinlandsprodukts erreichen. Viele Experten, so auch der IMF, gehenm davon aus, dass Griechenland diese Schuldenlast n ie aus eigenem wird abbauen können und fordern deshalb ein Moratorium, einen glatten pauschalen Schuldenschnitt („Haircut“).

Unter Berücksichtigung der Erfahrungen der durch den EURO-Beitritt ausgelösten ungehemmten Krediteuphorie der ersten Jahre wird man angesichts der derzeitigen desolaten wirtschaftlichen und sozialen Lage der Bevölkerung solchen Vorstellungen mit einer gebotenen Skepsis entgegen treten: Keine demokratisch gewählte Regierung kann ihrer Wählerschaft auf Dauer kreditfinanzierte Wohltaten verweigern, vor allem dann nicht, wenn sie diese über fast ein Jahrzehnt hinweg zu ständig steigenden Opfern gezwungen hat.  Und damit wäre man dann wieder zurück auf Feld 1.