Mein Ersatzteillager

Vor langer langer Zeit, zu Beginn der Motorisierung nach der Währungsreform, als der erste Erwerb eines eigenen Autos noch ein Highlight im persönlichen Lebenslauf darstellte, da haben viele ihrem Schätzchen einen eigenen Kosenamen gegeben und es geliebt uns betreut bis an, nun ja, den Kauf des Nachfolgers. Das erste bleibt in der Erinnerung ein geliebtes Haustier, ein Individuum.

Das war, ist und bleibt eine historische Einmaligkeit. Heute ist ein technisches Gerät nach mehreren Jahren der Nutzung, vielen Service- und Wartungesdiensten und mannigfachem Teileaustausch lange nicht mehr das, was es bei der Anschaffung war. Wer den PPA erstanden hat, weiß, dass bein Kleinflugzeug nach zehn Jahren von der Erstausstattung praktisch nur noch die Hülle stammt. Im Grunde ist das einzelne Gerät eigentlich nur seine Fahrgestellnummer.

Dieses Bild vom Menschen muß der Bundesgesundheitsminister im Kopf gehabt haben, als er seine Idee gebar, eine Art Beweislastumkehr für die Organspende vorzunehmen: Nicht länger kann der potentielle Spender bestimmen, ob er seine Einzelteile für die Weiterverwendung bei seinen Mitmenschen zur Verfügung stellen will, sondern er ist verdammt dazu, ausgeschlachtet zu werden wie ein Autowrack, sofern er dem nicht ausdrücklich widerspricht. So kann sich der Besucher beim nächsten Tag der Offenen Tür im BMG beim Nahen des Dienstherrn beglückt versichern: »Da kommt es ja, Dein persönliches Ersatzteillager«.