Menetekel

Mercedes hat angekündigt, im Werk Düsseldorf zum Ende dieses Jahres 1000 Mitarbeiter (Leiharbeiter, nicht Belegschaftsmitglieder) und zum Ende des nächsten Jahres nochmals 350 Mitarbeiter zu entlassen. Anlaß sind die Verlagerung einer Auftragsproduktion für Volkswagen nach Polen und der Produktion der für den us-amerikanischen Markt vorgesehenen Sprinter in die USA.

Vom Umfang her erscheint dies – volkswirtschaftlich gesehen – unbedeutend, werden doch aus anderen Branchen, beispielsweise dem Bankgewerbe, wesentlich höhere Zahlen gemeldet. Der Vorgang ist jedoch aus drei Gründen symptomatisch.

Erstens: Trotz vorgeblichen Facharbeitermangels bleiben auch qualifizierte Fachkräfte von globalisierungsbedingten Standortveränderungen nicht verschont.

Zweitens: Auch wenn die Verlagerung von Teilen der Sprinterproduktion in die USA werkseitig mit »Lieferzeiten« begründet wird, darf man davon ausgehen, dass sie ein Erfolg der Bemühungen von Donald Trump ist, Arbeitsplätze in die USA (zurück) zu holen.

Drittens: Man muss befürchten, dass einige »emerging economies« insbesondere China, aber auch Indien, deren Märkte ein wesentlich größeres Potential darstellen, einen ähnlichen Weg gehen, auch wenn sich derzeit China (noch) als einen glühenden Verfechter des Freihandels verkauft, jedenfalls solange dies einen freien Zugang zu ausländischen Märkten sicherstellt.

Die deutsche Regierung täte gut daran, statt ständig als Exportpfau herumzustolzieren die Exportabhängigkeit der Binnenkonjunktur abzumildern, denn irgendwann ist es damit vorbei.