Wissenschaft am Abgrund

Nicht nur Aufsichtsräte, sondern auch Wissenschaft muß gendergerecht gestaltet werden, so eine »Fachtagung1 am IAB«, dem Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, einer »besonderen« Dienststelle der Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg. Sicherlich spricht nichts dagegen, sich Gedanken darüber zu machen, Frauen bzw. unbestimmt Geschlechtliche zu animieren, sich in wissenschaftlicher Tätigkeit zu engagieren. Schließlich hat man ja auch mit großen Erfolg dazu angehalten, dass jederfrau/mann die Hochschule zumindest einmal aufsuchen kann und sei es auch nur vorübergehend. Es spricht aber alles dagegen, wissenschaftliche Leistung und wissenschaftlichen Erfolg am Geschlechterverältnis der in der Wissenschaft Beschäftigten zu messen oder den der schulischen Bildungs(politik) an der hygienischen Qualität der Schülertoiletten.

  1. Personalentwicklung in der Wissenschaft geschlechtergerecht gestalten! in IAB•Forum vom 14. August 2018. URL: https://www.iab-forum.de/personalentwicklung-in-der-wissenschaft-geschlechtergerecht-gestalten/.
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Griechenland redivivus

Am 20. August endet das dritte Hilfsprogramm für Griechenland, ohne dass zu diesem Zeitpunkt bereits an einem weiteren Hilfprogramm gearbeitet würde. Griechenland ist, mit anderen Worten, von nun an bei der Kreditbeschaffung wieder auf die internationalen Kapitalmärkte verwiesen. Die wichtigsten Ratingagenturen beurteilen die Chancen für neue Kraditaufnahmen positiv, was allerdings nur wenig darüber aussagt, wie die Konditionen hierfür im konkreten Fall aussehen würden. Die (realwirtschaftlichen) Basisdaten sind ambivalent: Das reale Inlandsprodukt ist zwar im Jahr 2017 gestiegen und die Prognosen für dieses Jahr gehen von einer Fortsetzung des realen Wirtschaftswachtums aus. Der Haushalt weist einen Primärüberschuss aus, ist aber unter Berücksichtigung der laufenden Bedienung der ausstehenden Kredite und ausstehender Zahlungsverpflichtungen insbesondere bei den Sozialleistrungen weiterhin in einstelliger Milliardenhöhe defizitär. Aufgrund der Austeritätspolitik, die Griechenlands Regierung auf Druck der öffentlichen Geldgeber IMF und EU während der vergangenen acht Jahre durchgezogen hat, ist die wirtschaftliche Lage der Bevölkerung und dabei insbesondere die der Rentner äußerst miserabel; das Durchschnittseinkommen liegt auf dem Ninevau des Jahres 2003. Die nach Eintritt in die Euro-Zone durch eine hemmungslose internationale Kreditaufnahme finanzierte Wohlstandsteigerung – die inländische Güterverwendung lag für acht Jahre um etwa 10 vom Hundert über der inländischen Gütererstellung – wurde damit nahezu vollständig wieder verloren. eine logische Kosequenz jeder kreditfinanzierten Konsumausweitung, wenn die Gläubiger auf einer Rückzahlung ihre Kredite beharren. Die prekäre Finanzlage wird noch verschlimmert, wenn, wie im Falle der drei internationalen Hilfsprogramme, Zins und Tilgung der Kredite nicht aus der laufenden Produktion genommen werden (können), sondern die Aufnahme neuer Kredite (sog. Revolvingkredite) erfordern, die in aller Regel dann die Verschuldung ehre steigern als abbauen. So wird die öffentliche Verschuldung Griechenlds in diesem Jahr wohl 350 Mrd. Euro und damit 190 vom Hundert des Bruttoinlandsprodukts erreichen. Viele Experten, so auch der IMF, gehenm davon aus, dass Griechenland diese Schuldenlast n ie aus eigenem wird abbauen können und fordern deshalb ein Moratorium, einen glatten pauschalen Schuldenschnitt („Haircut“).

Unter Berücksichtigung der Erfahrungen der durch den EURO-Beitritt ausgelösten ungehemmten Krediteuphorie der ersten Jahre wird man angesichts der derzeitigen desolaten wirtschaftlichen und sozialen Lage der Bevölkerung solchen Vorstellungen mit einer gebotenen Skepsis entgegen treten: Keine demokratisch gewählte Regierung kann ihrer Wählerschaft auf Dauer kreditfinanzierte Wohltaten verweigern, vor allem dann nicht, wenn sie diese über fast ein Jahrzehnt hinweg zu ständig steigenden Opfern gezwungen hat.  Und damit wäre man dann wieder zurück auf Feld 1.

Nichts dazugelernt

Juncker habe den »Rüpel Trump gezähmt« wissen Organe der Mainstreammedien über die Verhandlung zu berichten, die Trump mit Juncker am geführt hat. Dank seiner lebe Europa wieder, er habe es »reanimiert«. Andernorts sieht man das deutlich anders. Der eine sieht seine nationalen Interessen bedroht, ein anderer schätzt die Aussicht auf bilateralen Verhandlungen nicht und ein dritter hält nichts von den Ergebnissen: »Simply put, the EU offered what it was already going to do. And in exchange, the U.S. agreed not to do what it hasn’t done yet«.1. Allenfalls perspektivisch ist eine Arbeitsgruppe vereinbart, die sich mit dem vollständigen Abbau der Zölle befassen soll – eine Idee, die Trump schon anlässlich des letzten G7-Gipfels geäußert hatte.

Dessen ungeachtet zeigen die Reaktionen der deutschsprachigen MSM, dass sie Trumps Vorgehen immer noch nicht verstanden haben oder aber gar nicht verstehen wollen. Er betreibt internationale Verhandlungen in ähnlicher Weise wie die Tarifvertragsparteien bei uns ihre Tarifverhandlungen betreiben: Die Gewerkschaft fordert 8 Prozent, alles darunter werde mit einem Generalstreik beantwortet, und die Unternehmerseite bietet 2 Prozent an, weil bei höheren Abschlüssen zwangsläufig Leute entlassen werden müssten. Und jeder weiß diese Aussagen richtig zu deuten. Trump hat nie einen Zweifel daran gelassen, dass seine Strafzölle, ob nur angedroht oder schon umgesetzt, nur dazu dienen sollen, Verhandlungen zu erzwingen, deren Ergebnisse, wie er meint, »fair und gerecht« sein sollen.


  1. „Trump and Juncker: The art of the no-deal“. Politico – European Edition. 2018-08-13.
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Schwarmintelligenz – hier: in der SPD

Durch einen gerissenen Schachzug des seinerzeitigen Vorsitzenden Sigmar Gabriel initiiert hatte ein ausserordentlicher Parteitag der SPD am 19. März des vorigen Jahres den abgehalfterten Präsidenten des Europäischen Parlaments Martin Schulz mit sämtlichen Stimmen, ohne Enthaltungen oder unültige Stimmen, also zu 100 Prozent zum Vorsitzenden der ältesten und traditionsreichsten und traditionsbewqusstesten deutschen Partei gewählt.
Kein Jahr später, in der sechsten Kalenderwoche dieses Jahres haben es unbekannt bleibende Honorable aus denselben Kreisen derselben Partei durch verborgene Machenschaften hinter der Bühne geschafft, ihren Hundertprozentigen zur »freiwilligen« Abdankung als Parteivorsitzender und als Hoffnungsträger für ein Ministeramt in einer Regierung zu zwingen, — einer Regierung, die weit über das durch das Wahlergebnis vom September 2017 gerechtfertigte Maß hinaus die Handschrift seiner Partei trägt, wozu er ganz wesentlich beigetragen hat. Diese Partei versteht es wirklich, ihr Markenzeichen Solidarität glaubwürdig wie eine Monstranz vor sich her zu tragen und die These von der überlegenen Schwarmintelligenz zu illustrieren.

Reichlich naiv

sind die menschlich nur allzu verständlichen Forderungen vieler amerikanischer Schüler und ihrer Eltern, endlich den Verkauf von Schusswaffen massiv einzuschränken. Sie sind es nicht deshalb, weil einem solchen Vorgehen nicht nur die amerikanische Verfassung entgegensteht – die könnte man ändern – oder deshalb, weil die einflußreiche American Rifle Association und weite Teile der Bevölkerung gegen eine derartige Verfassungsänderung Widerstand leisten würden. Sie sind es deshalb, weil angesichts der immensen Verbreitung von solchen Waffen eine Einschränkung des Neukaufs nichts bewirken würde. Die kids klauen einfach bei ihren Eltern, was sie sowieso legal nicht erwerben können. Nein, es bedürfte einer viel tiefergreifenden Änderung im amerikanischen Selbstverständnis, um erfolgreich gegen die Häufigkeit jugendlicher Amokläufe vorzugehen.