Hallelujah!

Der eine oder andere wird sich noch vage daran erinnern, dass etwa im Jahr 35 nach der Zeitwende — so genau weiß das keiner — ein gewisser Judas Ischariot gegen ein Bestechungsgeld in Höhe von dreißig Silberlingen den Aufenthaltsort des selbsternannten Messias — Jesus — an die römische Besatzungsmacht verraten hat, damit dieselbe ihn auf Drängen der einheimischen Regierungsmafia zum Tode befördere. Der arme Judas brauchte das Geld dringend für den Unterhalt seiner Familie und war im übrigen duch seine Tat auch noch an der Erfüllung der Verheißung Jesu maßgeblich beteiligt.

Knapp zwei Jahrtausende später haben zwei selbsternannte Nachfolger des Verratenen und anschließend Gekreuzigten ihn erneut verraten. Sie verbargen das Zeichen seiner Nachfolge vor Andersgläubigen ohne Not aus purer Feigheit und erklärten dies heuchlerisch als Rücksichtnahme auf deren anderen Glauben. Vielleicht hatten sie auch nur Angst vor dem Aufflammen von Gewalt, denn das Märtyrium überlassen feiste von zwangsweise erhobenen Steuern alimentierte Kirchenfürsten lieber den verfolgten armen ausgehungerten Christen vorwiegend in islamischen Ländern.

Man ist als ungläubiger Atheist glatt versucht, sich für Kardinal Graf von Galen und Pastor Martin Niemöller frendzuschämen.

NAFTA: Nachfolge-Vertrag ist auf dem Weg.

Anfang der Woche haben der US-amerikanische Präsident Donald Trump und der Präsident Mexikos, Enrique Nieto, sachlich übereinstimmend mitgeteilt, dass sie sich über ein Freihandelsabkommen geeinigt haben. Beide haben den kanadischen Premierminister Justin Trudeau hiervon in Kenntnis gesetzt. Die Regierung Kanadas hatte sich nach der Aufkündigung des NAFTA durch Trump zunächst von der Aufnahme von Verhandlungen ferngehalten, weil sie die eigentlich strittigen Probleme im Verhältnis der USA zu Mexiko gesehen hat. Es bleibt abzuwarten, ab es nunmehr zu einem bilateralen Abkommen unter geänderter Bezeichnung kommt, oder sich Kanada doch noch zu Verhandlungen über die Nachfolge des Dreierbündnisses bereit findet.

Die bilaterale Vereinbarung ist ein Erfolg der Verhandlungstaktik Trumps, durch (zuweilen extrem) hohe öffentliche mit Drohungen verbundene Forderungen die Aufnahme von Verhandlungen quasi zu erzwingen, um dann aber auf einem Mittelweg zu Ergebnissen zu gelangen. Der Kompromiss besteht darin, dass es bei der Zollfreiheit für alle Produkte bleibt, sofern diese zwei Bedingungen simultan erfüllen. Sie müssen erstens einen von 60 vom Hundert auf über 70 vom Hundert angehobenen local content1 aufweisen und zweitens müssen die Löhne der an ihrer Produktion beteiligten Arbeitskräfte 16 Dollar übersteigen. Volkswirtschaftlich bedeutet dies, dass Trump sowohl die direkte als auch die indirekte über Warenimporte zustandekommende Lohnkonkurrenz, der sich US-merikanische Arbeiter augesetzt sehen, zwar nicht unterbindet, aber doch weitergehend beschränkt, als dies unter NAFTA der Fall gewesen ist,


  1. Unter local content versteht man den Anteil der Wertschöpfung, die im Inland erbracht worden ist. Sie ist bei hochwertigen Produkten, die einen hohen Anteil an hochqualifizierter Arbeit enthalten z.B. Premium cars, tendentiell höher als bei Massenprodukten, die mechanisert aus importierten Fertigteilen erstellt werden, wie etwa Kleinwagen »assembled in Germany«.
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Adults only

es gibt wohl keine Gelegenheit, die sich nicht dazu eignete, von einschlägigen Journalisten gesinnungsethisch hochgeschrieben zu werden. So jetzt wieder in der Tante FAZ zu dem Thema »adults only«. Hat da doch tatsächlich ein Gastronom auf Rügen kinderfreies Dinieren auf seine Speisenkarte geschrieben. Das hat nichts, wie ein Herr Benninghoff meint, mit der typisch deutschen fehlenden Kinderfreundlichkeit zu tun. Es ist schlicht eine rundum übliche Markt­differenzierung nach den Präferenzen der Kunden, die mit ihren Einkäufen schließlich auch die ganze Veranstaltung bezahlen. Meine Frau und ich haben uns gezwungen gesehen, ein bis dahin sehr geschätztes Hotel zu wechseln, um den vielen versteckten Aggressionen der ausschließlich deutschen repressionsfrei erzogenen (weiblichen) Gören zu entgehen, denen wir in dem ursprünglichen familienfreundlich firmierenden Hotel ausgesetzt waren. Der Markt macht’s möglich.

Wissenschaft am Abgrund

Nicht nur Aufsichtsräte, sondern auch Wissenschaft muß gendergerecht gestaltet werden, so eine »Fachtagung1 am IAB«, dem Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, einer »besonderen« Dienststelle der Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg. Sicherlich spricht nichts dagegen, sich Gedanken darüber zu machen, Frauen bzw. unbestimmt Geschlechtliche zu animieren, sich in wissenschaftlicher Tätigkeit zu engagieren. Schließlich hat man ja auch mit großen Erfolg dazu angehalten, dass jederfrau/mann die Hochschule zumindest einmal aufsuchen kann und sei es auch nur vorübergehend. Es spricht aber alles dagegen, wissenschaftliche Leistung und wissenschaftlichen Erfolg am Geschlechterverältnis der in der Wissenschaft Beschäftigten zu messen oder den der schulischen Bildungs(politik) an der hygienischen Qualität der Schülertoiletten.

  1. Personalentwicklung in der Wissenschaft geschlechtergerecht gestalten! in IAB•Forum vom 14. August 2018. URL: https://www.iab-forum.de/personalentwicklung-in-der-wissenschaft-geschlechtergerecht-gestalten/.
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Griechenland redivivus

Am 20. August endet das dritte Hilfsprogramm für Griechenland, ohne dass zu diesem Zeitpunkt bereits an einem weiteren Hilfprogramm gearbeitet würde. Griechenland ist, mit anderen Worten, von nun an bei der Kreditbeschaffung wieder auf die internationalen Kapitalmärkte verwiesen. Die wichtigsten Ratingagenturen beurteilen die Chancen für neue Kraditaufnahmen positiv, was allerdings nur wenig darüber aussagt, wie die Konditionen hierfür im konkreten Fall aussehen würden. Die (realwirtschaftlichen) Basisdaten sind ambivalent: Das reale Inlandsprodukt ist zwar im Jahr 2017 gestiegen und die Prognosen für dieses Jahr gehen von einer Fortsetzung des realen Wirtschaftswachtums aus. Der Haushalt weist einen Primärüberschuss aus, ist aber unter Berücksichtigung der laufenden Bedienung der ausstehenden Kredite und ausstehender Zahlungsverpflichtungen insbesondere bei den Sozialleistrungen weiterhin in einstelliger Milliardenhöhe defizitär. Aufgrund der Austeritätspolitik, die Griechenlands Regierung auf Druck der öffentlichen Geldgeber IMF und EU während der vergangenen acht Jahre durchgezogen hat, ist die wirtschaftliche Lage der Bevölkerung und dabei insbesondere die der Rentner äußerst miserabel; das Durchschnittseinkommen liegt auf dem Ninevau des Jahres 2003. Die nach Eintritt in die Euro-Zone durch eine hemmungslose internationale Kreditaufnahme finanzierte Wohlstandsteigerung – die inländische Güterverwendung lag für acht Jahre um etwa 10 vom Hundert über der inländischen Gütererstellung – wurde damit nahezu vollständig wieder verloren. eine logische Kosequenz jeder kreditfinanzierten Konsumausweitung, wenn die Gläubiger auf einer Rückzahlung ihre Kredite beharren. Die prekäre Finanzlage wird noch verschlimmert, wenn, wie im Falle der drei internationalen Hilfsprogramme, Zins und Tilgung der Kredite nicht aus der laufenden Produktion genommen werden (können), sondern die Aufnahme neuer Kredite (sog. Revolvingkredite) erfordern, die in aller Regel dann die Verschuldung ehre steigern als abbauen. So wird die öffentliche Verschuldung Griechenlds in diesem Jahr wohl 350 Mrd. Euro und damit 190 vom Hundert des Bruttoinlandsprodukts erreichen. Viele Experten, so auch der IMF, gehenm davon aus, dass Griechenland diese Schuldenlast n ie aus eigenem wird abbauen können und fordern deshalb ein Moratorium, einen glatten pauschalen Schuldenschnitt („Haircut“).

Unter Berücksichtigung der Erfahrungen der durch den EURO-Beitritt ausgelösten ungehemmten Krediteuphorie der ersten Jahre wird man angesichts der derzeitigen desolaten wirtschaftlichen und sozialen Lage der Bevölkerung solchen Vorstellungen mit einer gebotenen Skepsis entgegen treten: Keine demokratisch gewählte Regierung kann ihrer Wählerschaft auf Dauer kreditfinanzierte Wohltaten verweigern, vor allem dann nicht, wenn sie diese über fast ein Jahrzehnt hinweg zu ständig steigenden Opfern gezwungen hat.  Und damit wäre man dann wieder zurück auf Feld 1.