NAFTA: Nachfolge-Vertrag ist auf dem Weg.

Anfang der Woche haben der US-amerikanische Präsident Donald Trump und der Präsident Mexikos, Enrique Nieto, sachlich übereinstimmend mitgeteilt, dass sie sich über ein Freihandelsabkommen geeinigt haben. Beide haben den kanadischen Premierminister Justin Trudeau hiervon in Kenntnis gesetzt. Die Regierung Kanadas hatte sich nach der Aufkündigung des NAFTA durch Trump zunächst von der Aufnahme von Verhandlungen ferngehalten, weil sie die eigentlich strittigen Probleme im Verhältnis der USA zu Mexiko gesehen hat. Es bleibt abzuwarten, ab es nunmehr zu einem bilateralen Abkommen unter geänderter Bezeichnung kommt, oder sich Kanada doch noch zu Verhandlungen über die Nachfolge des Dreierbündnisses bereit findet.

Die bilaterale Vereinbarung ist ein Erfolg der Verhandlungstaktik Trumps, durch (zuweilen extrem) hohe öffentliche mit Drohungen verbundene Forderungen die Aufnahme von Verhandlungen quasi zu erzwingen, um dann aber auf einem Mittelweg zu Ergebnissen zu gelangen. Der Kompromiss besteht darin, dass es bei der Zollfreiheit für alle Produkte bleibt, sofern diese zwei Bedingungen simultan erfüllen. Sie müssen erstens einen von 60 vom Hundert auf über 70 vom Hundert angehobenen local content1 aufweisen und zweitens müssen die Löhne der an ihrer Produktion beteiligten Arbeitskräfte 16 Dollar übersteigen. Volkswirtschaftlich bedeutet dies, dass Trump sowohl die direkte als auch die indirekte über Warenimporte zustandekommende Lohnkonkurrenz, der sich US-merikanische Arbeiter augesetzt sehen, zwar nicht unterbindet, aber doch weitergehend beschränkt, als dies unter NAFTA der Fall gewesen ist,


  1. Unter local content versteht man den Anteil der Wertschöpfung, die im Inland erbracht worden ist. Sie ist bei hochwertigen Produkten, die einen hohen Anteil an hochqualifizierter Arbeit enthalten z.B. Premium cars, tendentiell höher als bei Massenprodukten, die mechanisert aus importierten Fertigteilen erstellt werden, wie etwa Kleinwagen »assembled in Germany«.
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