Namensgebung

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Zwar sind Namen „Schall und Rauch“. Das heißt aber nicht, dass sie frei von jeglicher Konnotation wären, also keine über ihre Kernaussage hinausgehenden impliziten Assoziationen wecken wollten. Gemeinhin zeigt sich Konnotation als Stil des Gesagten oder Geschriebenen. So sind auch Überschriften, Titel, in aller Regel entweder auf den Zweck der Mitteilung oder als Assoziation an ihre Verursachung hin konstruiert.

Die Formulierung des Titels »So sehe ich es« verweist darauf, dass der Blog dazu dient, meine persönlichen Ansichten und mein persönliches Verständnis politischer und politisch relevanter wirtschaftlicher oder gesellschaftlicher Vorgänge und Entwicklungen darzulegen. Näheres hierzu bietet das »Selbstverständnis«.

Der Terminus »dunkeldeutsch« hat wenigstens zwei Taufpaten, einen älteren aus jüngerer Zeit und einige jüngere aus älterer Zeit.

Der jüngere Taufpate ist kein geringerer als der frühere Bundespräsident Joachim Gauck. Dieser ehemalige Pastor hat sich als Bundespräsident nicht zurück zu halten vermocht, die eschatologische Vorstellung in die politische Gegenwart zu transferieren, dass (dereinst?) alle Menschen von einem Jüngsten Gericht in zwei Kategorien unterschieden werden, die Heiligen einerseits, denen ein ewiges Leben geschenkt wird, und die Sünder andererseits, denen die ewige Verdammnis droht:

Es gibt ein helles Deutschland, das sich hier leuchtend darstellt, gegenüber dem Dunkeldeutschland, das wir empfinden, wenn wir von Attacken auf Asylbewerberunterkünfte oder gar fremdenfeindlichen Aktionen gegen Menschen hören.1

Das war wohl so gedacht – und wird weithin so verstanden – dass die in diesem Statement Apostrophierten als Exponenten breiter Bevölkerungsgruppen zu verstehen sind, die demselben Verdikt zu unterwerfen seien wie die in der Tat verabscheuenswürdigen Straftäter. Seit seiner Äußerung scheint sich der Expräsident etwas vom einem rein assoziativen zu einem eher analytischen Urteilen bewegt zu haben.

Die weiteren Taufpaten sind die Zeitgenossen des Humanisten Johannes Reuchlin, die sich selbst als »Dunkelmänner« bezeichnet haben. Sie hatten den bis heute aktuellen Versuch unternommen, die (physische) Vernichtung von Schriften zu verhindern, die der herrschenden (damals: kirchlichen) Obrigkeit nicht genehm waren. Ihr Bemühen zeigt sich heutzutage in einer Reihe von Blogs, die ein Korrektiv zu der einseitigen propagandistischen Darstellung der Mainstreet-Medien anstreben: So auch »So sehe ich es«. Die viri obscuri bedienten sich sich, wie auch ihre Gegner, des zeitgenössischen Instruments von „fake letters“2. Unser Gedenken gilt vornehmlich ihrem Bemühen, nicht aber ihrem Vorgehen im Detail und schon gar nicht den von ihnen benutzten „fakes“. »So sehe ich es« kämpft mit offenem Visier, und die historisch zu verstehende Beschränkung auf „viri“ wird aufgehoben und auf „homines“ erweitert.


  1. Zitiert aus FAZ vom 2015-08-28. zurück
  2. »epistolae virorum obscurorum«. Siehe Beitrag „Dunkelmännerbriefe“ in Wikipedia. zurück